Stadt ehrt ihre besten Sportler –
darunter zwei Weltmeister

159 erfolgreiche Athleten und Athletinnen aus der Stadt Luzern wurden gestern ausgezeichnet.
Zwei davon holten im Sommer eine Goldmedaille an der Karate-Weltmeisterschaft in Berlin.

Luzerner Zeitung – Dezember 2016
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Pascal Egger (33) und Maria Fernanda Salvador (45) holten in Berlin den Karate-Weltmeistertitel.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 1. Dezember 2016)

Sie erzielten an nationalen und internationalen Wettkämpfen Topresultate: die 159 Sportlerinnen und Sportler, die gestern im Südpol von der Stadt ausgezeichnet wurden. Mit dabei: Maria Fernanda Salvador und Pascal Egger. Die beiden wurden für ihren Einsatz und ihre Goldmedaille an der Karate-Weltmeisterschaft geehrt. «Das war damals ein unglaublicher Moment. Ich habe mich riesig gefreut, und meine Familie und ich haben nur noch geweint», erzählt Maria Fernanda Salvador von ihrem Sieg an der Kimura Shukokai International (KSI)-Karate-Weltmeisterschaft, die diesen Sommer in Berlin stattgefunden hat.

Um ihr Ziel zu erreichen, haben die beiden Karate-Weltmeister sehr viel in ihren Sport investiert und sind teils an ihre Grenzen gegangen. Die 45-jährige gebürtige Ecuadorianerin Maria Fernanda Salvador, die seit vielen Jahren in Luzern lebt, hat sich nach der Qualifikation fast ein Jahr lang vorbereitet. «Das hiess fünf bis sieben Stunden Training in der Woche plus Konditionstraining », so die dreifache Mutter.

Vom Tennis zum Karate – dank ihrer Kinder

In ihrer Kindheit hat Maria Fernanda Salvador aber nicht Karate gemacht, sondern intensiv Tennis gespielt. Zum Karate kam sie erst, als sie mit ihrer Familie ab dem Jahr 2006 für fünf Jahre in Miami lebte. «Meine Kinder wollten Sport machen. Da mich die Disziplin, die Kontrolle sowie die Techniken des Karate schon lange interessiert hatten, liess ich meine zwei Söhne und meine Tochter statt Fussball oder Tennis Karate ausprobieren», erinnert sich Fernanda Salvador, die als Life- und Performance-Coach arbeitet. «Als ich während der Trainings jeweils drei Stunden herumsass und auf meine Kinder wartete, habe ich mich selber auf die Matte gewagt.» Zurück in der Schweiz habe sie sich sehr gefreut, als sie die KSI-Schule in Luzern gefunden habe. «Wir haben eine tolle Atmosphäre im Dojo. Unsere Senseis sind sehr professionell », schwärmt die ehrgeizige Sportlerin. Das Wort Sensei wird in Japan gebraucht, um einen Lehrer zu definieren.

Pascal Egger (33), der gestern ebenfalls für seinen Weltmeistertitel geehrt wurde, ist Maria Fernanda Salvadors Sensei. In seinem Leben dreht sich alles um seinen Sport: «Karate ist mein Leben», erzählt er. Das Hobby wurde zu seinem Beruf, als er im Jahr 2009 mit seiner Partnerin eine gemeinsame Karateschule in Luzern eröffnet hat. Seitdem unterrichtet er 32 Lektionen in der Woche, trainiert selber bei einem Privatlehrer und macht nebenbei Krafttraining als Unterstützung des Karatetrainings. Ausserdem hat er oft Turniere oder Seminare an den Wochenenden. «Wenn ich mal nichts los habe – was selten vorkommt –, lege ich mich gerne einfach für eine Stunde aufs Sofa», sagt Egger. Mit dem Kampfsport begann er bereits als Zehnjähriger. Zuerst mit Judo, inspiriert durch «Karate Kid», wechselte er aber nach einem Jahr zum traditionellen Shotokan-Karate.

«Nach drei Jahren Training kam ich aber irgendwie nicht weiter. Da lernte ich den Sensei Steve Lunt kennen. Ich war beeindruckt, weil die Schüler in seiner Schule nach wenigen Monaten auf dem gleichen Niveau waren wie ich nach drei Jahren», erzählt er. Deshalb wechselte er zu dieser Schule. Den Weltmeistertitel hat er sich hart erkämpft. Jahrelang hat er an grossen internationalen Turnieren teilgenommen und wurde Welt- und Doppeleuropameister bei den Junioren. Bei der Elite Männer konnte er sich immer unter den Top drei platzieren, für den Titel reichte es aber einige Male knapp nicht. «Deshalb habe ich in den letzten vier Jahren immer mehr meine Wettkampfvorbereitung angepasst. Der Sieg in Berlin hat mir nun bestätigt, dass meine Veränderungen Sinn gemacht haben.» Sein nächstes Ziel ist nun, den Weltmeistertitel zu verteidigen. «Ausserdem will ich – solange ich Lust habe – weiterkämpfen. » So könne er für seine Schülerinnen und Schüler seine Vorbildfunktion wahrnehmen und sowohl im Dojo wie an Turnieren für ihre Werte wie Respekt, Durchhaltewillen oder Hilfsbereitschaft einstehen.

Das KSI-Karate ist laut Egger eine Art Karate, bei der nicht per se an traditionellen Techniken festgehalten wird. «Wir schauen uns die Techniken an und überlegen uns, ob sie so am besten funktionieren. Wenn nicht, verändern wir die Technik.» Die Biomechanik des Körpers sei dabei wichtig. «Die Techniken sind die gleichen wie in anderen Karate- Schulen, bei uns ist die Ausführung allenfalls anders», erläutert Egger. Geschlagen und getreten werde mit Halbkontakt, aber nicht bis zum Knock-out.

Gartenarbeit statt internationale Wettkämpfe

Für Maria Fernanda Salvador war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft eher eine einmalige Sache. «Sport ist wichtig in meinem Leben. Mit dem Weltmeistertitel habe ich etwas Grosses erreicht.» Als Mutter, Ehefrau und Selbstständige sei sie jedoch sehr engagiert, und die ganze Familie sei eingebunden – ihre Kinder, die mit ihr trainieren, und ihr Mann, der ihr Fotograf, Fahrer und Fan ist. «Ich werde sicher weitertrainieren, ich habe ja ‹erst› den braunen Gurt. Aber ich will nicht mehr so viel Zeit für internationale Turniere aufwenden, sondern mich auf Wettkämpfe in der Schweiz konzentrieren», sagt sie. Dafür wolle sie jetzt lernen, einen grünen Daumen zu haben. «Das ist viel schwieriger als Karate.

Autorin: Natalie Ehrenzweig