Tochter führt Mutter zur EM
Meistens führt ein Elternteil sein Kind an eine Sportart heran. Bei Schneiders begann Amelie (11) mit Karate, Mutter Eva zog nach. Seit letztem Wochenende tragen sie beide den schwarzen Gurt.

Anzeiger Luzern – Juni 2017
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Eva Schneider fand dank Tochter Amelie zum Karate. Heute tragen sie beide den schwarzen Gurt.

Bild: PD

Jeden Abend dasselbe Bild: Die Familie Schneider in Horw packt ihre Sportsachen zusammen und fährt nach Luzern in die Karateschule. Mit Schneiders möchte man es lieber nicht aufnehmen: Mutter Eva und Tochter Amelie besitzen seit letztem Wochenende beide den schwarzen Gurt, Vater Patrick steht ebenfalls kurz vor dem schwarzen, Sohn Nick (8) hat den blauen Gurt.

Zu Beginn hatte wenig darauf hingedeutet, dass Schneiders Jahre später fast jeden Abend im «Kimura Shukokai Karate international» in Luzern verbringen würden. Amelie hatte die Sportart an der Luga entdeckt. Patrick und Eva Schneider hatten sich danach aber eher decouragiert verhalten. «Wir kannten uns im Kampfsport nicht so gut aus und dachten, so eine aggressive Sportart sei nichts für unsere Tochter», erzählt Eva Schneider. Amelie blieb aber hartnäckig. Am Tag der offenen Tür konnten sich die Eltern dann ein Bild von der Karate-Schule beim Eiszentrum machen. «Wir waren überrascht. Alle waren sehr freundlich und respektvoll. Für uns fühlte sich das sofort richtig an», sagt die 45-Jährige. Karate sei eine sehr gute Lebensschule. «Amelie hat das Erlernte auch für die Schule gestärkt. Sie hat nun mehr Selbstvertrauen», sagt Schneider. «Die Kinder lernen hier, dass sie, wenn sie hart arbeiten, etwas erreichen können, auch wenn es nur für sie selbst ist. Es muss nicht jeder auf ein Podest kommen», sagt Schneider. Angesprochen darauf, was sie am Karate besonders schätze, sagt Amelie dann auch nicht etwa, dass sie in der Schule nun zu den Stärkeren gehöre, sondern: «Das Verhältnis untereinander. Aber natürlich tobe ich mich auch gerne auf den Schlagkissen aus», sagt sie. Karateschüler werden anscheinend auch von Lehrern geschätzt. «Die Lehrerin von Amelie sagte mir, dass sie sich immer auf die vier Schüler verlassen könne, die dieselbe Karateschule besuchen. Die wüssten alle, dass man sich an Regeln halten müsse.»

Zum zweiten Zuhause geworden

Amelie ist inzwischen elf Jahre alt, das Training hat sich mittlerweile auf drei Abende verteilt.

Mutter Eva und Vater Patrick konnten das Training schon oft mitverfolgen und begannen 2011 schliesslich selbst zu trainieren, und auch der heute achtjährige Nick hat bereits mit vier Jahren mit Karate begonnen. «Inzwischen ist jeden Abend mindestens eine Person beim Training», lacht Eva Schneider. Obwohl sie auch zuvor nicht ängstlich gewesen sei, habe ihr das Karate zu mehr Selbstsicherheit verholfen. «Ich fühle mich heute dank dem Karate am Abend auf der Strasse sicherer.»

Mitglied des Nationalkaders

Sie gehört mittlerweile seit zwei Jahren dem Nationalkader an und wurde bei den Ü40 mehrmals Schweizer Meisterin. Im Herbst wird sie in Tallinn (Estland) an den Europameisterschaften teilnehmen. Ein Traum, den sich auch Tochter Amelie erfüllen möchte. Ins Nationalkader kann sie, sofern sie sich qualifiziert, erst mit 12 aufgenommen werden. Dann möchte sie international durchstarten. Schneiders werden die nächsten paar Jahre den Weg von Horw zur Karateschule also tendenziell noch eher öfter in Angriff nehmen.

Autor: Marcel Habegger