Die Leidenschaft für den Sport weitergeben
Schwingen, Tennis oder Segeln: Gestern konnten am Tag der Luzerner Sportvereine 47 Sportarten beschnuppert werden. Wir haben beim Karate genauer hingeschaut.

Luzerner Zeitung – September 2017
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Neuen Nachwuchs gefunden? Ein Mitglied des Karatevereins führt eine Besucherin in den Sport ein.

Bild: Philipp Schmidli

Kinder jeden Alters und ihre Eltern bevölkerten die Luzerner Allmend, die Messehallen sowie das Hallenbad und das Schulhaus Hubelmatt. Zum dritten Mal fand gestern der Schnuppersporttag der Luzerner Sportvereine statt: 50 Vereine präsentierten 47 Sportarten. Das Motto des Tages lautete: «Vielfalt bewegt».

Den Besuchern bot sich in den Messehallen eine Szenerie wie auf einem riesigen Wimmelbild: Gleich beim Eingang bildeten die Cheerleaderinnen der Wildcats Luzern aus dem Stegreif eine Menschenpyramide. Daneben luden zwei Sportarten in Weiss – Judo und Segeln – zum Kennenlernen ein. Die Kletterwand stiess auf reges Interesse. Und sonst wohl nie nebeneinander im Einsatz präsentierte sich der Hornschlittenclub Luzern mit prächtigen Holzschlitten neben den um einiges filigraneren Einrädern des Einradclubs Emmenbrücke.

Weltmeisterliche Vorstellung

Viel Publikum fand sich beim Stand des Vereins Kimura Shukokai Karate International, der sein Trainingszentrum an der Luzerner Eisfeldstrasse hat, ein. Dies, weil der Kadernachwuchs zu stündlich stattfindenden Vorstellungen lud. Sensei – so werden Karate-Trainer genannt – Pascal Egger gab in kurzen Kommandos in Japanisch und Schweizerdeutsch seine Anweisungen.

In perfekter Synchronität und höchster Konzentration führten die acht Jugendlichen ihre Kicks und Griffe aus. Einige von ihnen gehören zur nationalen oder gar internationalen Elite. Luana Sigrist (15, aus Luzern), Ramin Ahmed (16, ebenfalls aus Luzern) sowie Gian Fehlmann (15, aus Horw) sind Mitglieder der Nationalmannschaft und zum Teil Junioren-Weltmeister oder Junioren-Vizeweltmeister in Kumite, einem Wettkampf ohne vorherige Absprache der Techniken. Ausserdem zählen sie in ihren Kategorien zu den Top-Favoriten der Euromeisterschaften, die Mitte Oktober in Estland stattfinden. Alle drei trainieren seit deren Gründung in der Luzerner Karate-Schule, wie Antonella Bergamin, Co-Leiterin der Schule und Mitglied des Organisationskomitees des Schnuppersporttages, sagt. «Um Kinder zu begeistern, braucht es Kinder. Diese Chance nutzen wir hier gerne. Wir verzeichnen jedes Jahr nach dem Anlass Zuwachs.»

Für die drei Jugendlichen sei Karate mehr als eine Leidenschaft, wie Ramin Ahmed es ausdrückt: «Karate ist eine Lebensschule, die uns ein Leben lang begleiten wird.» Und Luana Sigrist ergänzt: «Wenn ich mit Karate aufhören müsste, wäre es so, wie wenn ich ein Familienmitglied verlassen würde.»

«Wir sind auch erzieherisch tätig»

Um auf Weltniveau mithalten zu können, absolvieren die Athleten jede Woche vier Trainingseinheiten plus Sondertrainings vor Wettkämpfen. Bleibt da neben Schule oder Lehre noch Zeit, ein Teenager-Leben zu führen? «Wir haben alle noch andere Hobbys wie Gitarre spielen oder fotografieren und gehen auch mit Kollegen in den Ausgang. Wir dürfen durchaus jung sein, doch alles mit Mass und Verstand», sagt Luana Sigrist stellvertretend für ihre Vereinskollegen.

Antonella Bergamin bestätigt diese Aussage: «Sie wissen, wie sich verhalten, Respekt und Disziplin sind ihnen wichtige Werte. Wir sind auch erzieherisch tätig, ein bisschen sind sie wie unsere eigenen Kinder.» Das enge Verhältnis zu den Eltern spiele aber für den Karatenachwuchs auch eine zentrale Rolle. Für die Europameisterschaft wurde sogar ein ganzer Flug gechartert, 148 Personen machen sich auf den Weg nach Estland.

Autorin: Yvonne Imbach