Die Karate Kids von Luzern

Kinder sind laut, respektlos und undiszipliniert? Wer so denkt, war garantiert noch nicht in der Shukokai Karateschule am Eiszentrum. Anlässlich der Weltmeisterschaft in Berlin erzählt Sensei Pascal Egger, was seinen ausgewählten Karatestil so besonders macht und wie er mit den Schülern umgeht.

Luzerner Rundschau – Juli 2016

Für einen kurzen Moment in Ruheposition: Das Kaderteam der Karateschule Kimura Shukokai.

Bild: Sandra Scholz

Es ist Freitagabend. Das Dojo, so nennt man den Übungsraum beim Karate, ist gut gefüllt. Erwachsene, Jugendliche und Kinder stehen an der kleinen Bar und unterhalten sich zwischen zwei Kursen. Die Atmosphäre ist merklich entspannt. Es wird viel miteinander gelacht. Als der Sensei, also der Lehrer, Pascal Egger, das Dojo betritt, grüsst er alle Schüler, sie grüssen höflich zurück. Respekt, das wird noch vor dem Aufwärmen klar, ist ein zentraler Bestandteil des Trainings.

An diesem Freitag laufen die Dinge ein bisschen anders, denn es ist Kadertraining. Für die Weltmeisterschaft in Berlin, die vom 19. bis zum 24. Juli stattfindet, finden gesonderte Trainingseinheiten statt. Während die Schüler sich aufwärmen, erzählt Pascal Egger, wie er zum Karate gekommen ist. „Das war durch Zufall und einen Bekannten. Er hatte einen Flyer zur Schuleröffnung meines späteren Lehrers dabei“ erklärt er. „Vorher habe ich einen anderen Stil trainiert.“ Wer bisher dachte, Karate wäre immer einfach nur Karate, der ist auf dem Holzweg unterwegs. Es gibt verschiedene Stile. Pascal Egger betreibt in seiner Schule Kimura Shukokai Karate. Die Grundlagen lassen sich unkompliziert erlernen. Im Zentrum steht die Veränderung, die Verbesserung. Die Technik wird deswegen stets optimiert, um das beste Ergebnis zu erreichen. Abschrecken lassen sollten sich Interessierte davon aber auf keinen Fall: „Jeder kann zu uns kommen. Wir haben mehr als 350 Schüler, das Training findet also mit Partnern statt, die über gleiche Fähigkeiten verfügen. Und jeder macht nur so viel, wie sie oder er kann“ erklärt Pascal Egger.

Wozu Kampfsport?

Aber wieso sollte man sich überhaupt für Kampfsport entscheiden? Wie hoch stehen die Chancen, dass man sich tatsächlich einmal selbst verteidigen muss? „Mit Karate sind sie jedenfalls niedriger als ohne jede Form von Ausbildung“ erklärt Pascal Egger. Sicher, in einer Notlage hat man mit Karate ein gutes Werkzeug zur Hand, um sich zu helfen. Doch schon nach kurzer Trainingszeit tritt ein anderer, nützlicher Effekt ein. „Bis man sich effektiv wehren kann, vergeht schon etwas Zeit. Kein Meister fällt vom Himmel. Aber die Schüler werden sehr schnell selbstbewusster und erlangen eine innere Ruhe. Sie können Gefahrensituationen oft schon entschärfen, bevor jemand eskaliert, “ erklärt Pascal Egger. Oder anders formuliert: Die beste Form der Selbstverteidigung scheint zu sein, es gar nicht erst zum Kampf kommen zu lassen.

Mehr als nur Sport

Da ist es auch verständlich, dass Karate für die Ausübenden mehr als nur ein Sport ist, es ist ein Teil des Lebens und des eigenen Charakters. Der Rolle des Trainers kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. „Karate ist natürlich mit Disziplin verbunden, das gilt für alle Altersklassen. Erfahrungsgemäss suchen besonders aber die Kinder nach diesen Regeln. Sie erfahren dadurch Halt und fügen sich auch gut in die bunt gemischte Gruppe ein“, sagt Pascal Egger. Als Trainer kommt er um eine Vorbildfunktion für seine Schüler nicht herum. „Natürlich ist es eine ganze Menge Verantwortung. Besonders die Kinder machen beinahe alles nach. Es macht aber viel Spass, ihnen Respekt und Selbstbewusstsein zu vermitteln“ sagt Pascal Egger.

Natürlich fördert das Training auch die Fitness. Zahlreiche Vereine plädieren für mehr Bewegung, besonders für Kinder. Kann Kampfsport da helfen? „Karate fördert und fordert den ganzen Körper“ erklärt Sensei Pascal. „Die Schüler werden beweglicher, kräftiger. Sie lernen aber auch, ihren Körper zu kontrollieren, sie reagieren schneller und die Konzentration wird ebenfalls gefördert“.

Aus dem Dojo dringen laute Geräusche. Ein Blick hinter die Tür zeigt die Schüler beim Aufwärmen, sicher verpackt in Schutzkleidung. Wieder und wieder trainieren sie eine Abfolge von Tritten oder Schlägen, und schnell wird klar: mit diesen Karate Kids legt man sich im Ernstfall lieber nicht an.

Autorin: Sandra Scholz